20. Dez, 2017 | Zur Übersicht

Was Van Gogh mit Merry X-mas zu tun hat.

Alle Jahre wieder

Allerheiligen ist noch nicht wirklich durch, und überall tönt uns „Oh du fröhliche entgegen.“ Lebkuchen in allen glitzernden Varianten, blinkende Adventkränze, Adventkalender mit inhaltlichem Allerlei von Schokobons bis Damenhygiene, Plastikkugeln für den Baum, synthetische Weihnachtskeks und die neuesten X-mas-Specials buhlen um Aufmerksamkeit und in weiterer Folge den Inhalt der Brieftasche bzw. das, was die Kreditkarte noch zu bieten hat. Vieles ist zu schrill, zu laut, von allem too much. Vor allem auch zu früh.

Wehmütig verherrlichen wir indes die sich mittlerweile in der Erinnerung durch die rosarote Brille darstellende „Leise rieselt der Schnee-Zeit“. Damals war alles anders. Die Mütter buken duftende, knusprige Kekse, die Großmütter strickten bunte, kuschelige Socken, im Kamin loderte ein züngelndes Feuer, die Kerzen verströmten ein sanftes Licht. Der Adventkranz wurde selbst gebunden, der Christbaumschmuck tatsächlich noch gemeinsam gebastelt. Aus dem, was man im Wald während des Spaziergangs fand, aufgepeppt mit etwas Goldlametta und Buntpapier. Ja, das waren noch Zeiten.

Was ist aber nun wirklich der große Unterschied zwischen damals und heute? Früher war weder alles besser noch romantischer noch wahrhaftiger. Und doch glauben wir genau das. Es sind die Bilder im Kopf, die von echten Gefühlen flüstern, von Wärme und Nähe. Die uns Werte vermitteln, wie Liebe, Freundschaft, Hoffnung und Vertrauen. Nicht zu vergessen die allumfassende Wahrhaftigkeit.

Es gibt also nichts Schlimmeres in der Kommunikation als mangelnde Wahrhaftigkeit, fehlende Authentizität und unvollständige Sinnstiftung. Wir wollen wieder Werte im Leben haben. Das Wahre, Schöne und Gute in unser kleines Universum holen. Doch das scheint noch immer nicht genug zu sein. Denn auch heute gibt es wunderschön weihnachtliches Kunsthandwerk, nachhaltig biologisch fabrizierte Weihnachtsbäckerei und faire Festtagsmenüs. Trotzdem, könnten wir wählen, wir hätten das Ticket in der Time Machine Back to the Roots bereits gebucht.

Es muss also wohl an den Bildern liegen, die wir im Kopf mit uns herumtragen. Ein ganzes riesiges Bildarchiv an Erinnerungen, fein sortiert nach Gefühlslagen von absolut wünschens - und nicht zu vergessen empfehlenswert, bis essenziell zu vermeiden, steht jedem von uns individuell zur Verfügung. Genau das könnte der springende Punkt sein. Es geht nicht nur um Botschaften, Geschichten und das immer wieder bemühte Storytelling, sondern um die Pictures, die wir unseren Ideen und Geschichten auf die Reise in die Herzen der Menschen mitgeben.

Und eins ist klar: Bilder sind nicht gleich Bilder. Es geht um Abbilder der Wirklichkeit. Dabei steht die bereits genannte Wahrhaftigkeit an oberster Stelle. Angereichert um die Werte der Menschlichkeit, die nicht nur Nutzen, sondern vor allem Sinn stiften. Hier reicht die Palette von Harmonie über Freiheit, Verantwortung, Glück, Lust, Herzlichkeit, Achtsamkeit und Mitgefühl bis zu Humor, Leichtigkeit, Freude, Selbstbestimmung, Ruhe, Gelassenheit, Loyalität, Natürlichkeit und Sicherheit. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Immer unter dem Aspekt der Stimmigkeit, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit. Abstraktion ist vermutlich nicht ganz der richtige Stil, um hier eine Punktladung hinzulegen. Insoferne hat ein kopierter Picasso wahrscheinlich wenig Chancen auf Erfolg auf einen Eintrag im Bilderbuch der Emotionen. Und doch scheint es ziemlich unterschiedliche Qualitäten des werblichen Expressionismus zu geben. Van Gogh hat Sonnenblumen gemalt, meine Tochter auch. Leonardo hat versucht, das Lächeln schlechthin einzufangen, ja, die Emoticons am iphone tun dies ebenfalls. Es liegt daher wohl vieles an der gefühlsmäßigen Brauchbarkeit, der erlebten Qualität der Bilder, die wir zeichnen.

Storytelling allein ist zu wenig.
Storypainting ist da schon viel besser.

Denn offenbar geht es um die sinnlich inspirierten Pictures, die Gefühle malen und Erinnerungen zeichnen. Vom kerzenflackernden mindestens drei Meter hohen Christbaum aus meiner Kindheit bis zum Duft der Tannennadeln.

Wer es schafft, unter diesem Bild seine Geschenke zu platzieren, ist einen ziemlich großen Schritt weiter. Darum beginnen wir jetzt zu pinseln. Unsere Ideen. Unsere Stories. Unsere Happy Endings.

Frohe Weihnachten, wie früher
Wünscht Ihnen

Ihre Irmgard Engelhart

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