13. Dez, 2017 | Zur Übersicht

Die Theorie U als Energieträger neuer Ideen.

Die Zukunft hat noch nicht begonnen, und doch gibt es Ideen und Strömungen, die sich nicht nur intensiv mit ihr beschäftigen und sie vorherzusehen versuchen, sondern auch, sie in die Gegenwart zu implementieren.

Mit der Theorie U stellt C. Otto Scharmer vom Massachusetts Institute of Technology ein Konzept zum Thema Leadership vor, das „Presencing als soziale Technik der Freiheit“ präsentiert. In der Markenführung angewandt, können damit Botschaften mit einer neuen Kraft entwickelt und womöglich in einer innovativen Form der Klarheit präsentiert werden. Wir leben in einer Zeit der großen Veränderungen, nicht zuletzt deshalb, weil wir uns inmitten großer sozialer Verschiebungen befinden. Alte soziale Strukturen sterben aus, neue müssen sich erst finden und etablieren.

Geprägt ist unser Umfeld von drei fundamentalen Strömungen:

  • Die Bewegung der „ewig Gestrigen“, die sich immer und ewig auf die Vergangenheit berufen. Im Marketing im Aussterben begriffen, aber auch hier gibt es Tendenzen wie „Früher war alles besser“
  • Die Verteidiger des „Status Quo“. Auch im Marketing und in der Markenführung beobachten wir solche Phänomene, die immer auf die Strategie „mehr desselben“ setzen.
  • Die Vertreter der Transformation: Auf ins Ungewisse! Nur wer sich von seinem alten Selbst verabschiedet, wird offen für Neues. Schon Henry Ford wusste, dass Innovation nur durch Tabubrüche passieren kann: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“

Der blinde Fleck als Schlüsselfaktor

In seiner Studie zur Theorie U machte Sich Otto Scharmer vor allem auf die Suche nach „dem blinden Fleck in Bezug auf die Aufmerksamkeit.“ Er bringt als Vergleich den Prozess künstlerischen Schaffens und unterscheidet zwischen dem Bezug des Betrachters auf den Gegenstand des künstlerischen Schaffens, den Prozess des Schaffens an sich und den „Künstler vor der leeren Leinwand“, also den Prozess vor dem eigentlichen Schaffen.

Dementsprechend unterscheidet er auch in sozialen Prozessen die Phasen dessen, was wir tun, wie wir es tun und die innere Quelle, die uns zum Tun veranlasst. Seiner Meinung nach können wir meist auf die Frage, woher unser Handeln denn kommt, keine klare Antwort geben. Er stellt diesbezüglich die These in den Raum, „ob nicht im Erspüren der im Entstehen begriffenen Zukunft eine tiefere Lernmöglichkeit liegen könnte als es dem reflektierten Zugriff auf vergangene Erfahrungen möglich ist. Als Alternative dazu schlägt er vor, sich in die im Entstehen begriffene Zukunft nach vorne zu versetzen und auf sie zu reagieren. Dieses Lernen aus der im Entstehen begriffenen Zukunft bezeichnet er als „Presencing“. Es geht dabei darum, eine Verbindung zur eigenen Zukunft herzustellen und dabei die Zukunftsmöglichkeiten wahrzunehmen und zu aktualisieren.

Ströme sozialer Emergenz nach der Theorie U

Dabei lassen sich vier unterschiedliche Ströme an Aufmerksamkeit unterscheiden, betrachtet am Beispiel des Zuhörens:

  • Zuhören als „Downloaden: Durch das Zuhören werden lediglich bereits vorhandene Urteile bestätigt.
  • Zuhören im gegenständlich-unterscheidenden Sinn: Dabei wird darauf geachtet, was von bereits Bekanntem oder Vorhandenem abweicht, also sich von bereits bestehenden Aspekten der bekannten Realität unterscheidet.
  • Das empathische Zuhören: Hierbei wird zusätzlich zum reinen Wahrnehmen ein innerer Dialog zum Gegenüber aufgebaut. Wir lernen dabei, „die Intelligenz unseres Herzens als aktives Wahrnehmungsorgan auszufahren“
  • Das schöpferische Zuhören: Dabei wird der eigene Wille geöffnet, sodass wir uns über die persönlichen Grenzen hinausbewegen und etwas Neues entstehen kann. Im Rahmen dieses Prozesses findet eine Veränderung des eigenen Selbst statt – durch die Begegnung mit dem zukünftigen Selbst.

Die Kristallisation der Theorie U

Im Kern besteht die Theorie U aus der Behauptung, dass je nach Aufmerksamkeitsstruktur die gleiche Handlung zu radikal unterschiedlichen Ergebnissen führt. Erst wenn der Weg zu Stufe vier offen ist, kann die Bildung eines neuen Innenraumes stattfinden, durch den eine schöpferische Präsenz und direkte Resonanz zu den zukünftigen Möglichkeiten real erlebbar wird. Durch die Unterscheidung dieser vier Ebenen beleuchtet die Theorie eine bis dato verborgene Dimension: Den Ort oder die Basis, die menschlichem Handeln und Ideenfindung zu Grunde liegt.

Als Instrumente schlägt die Theorie U „Die Öffnung des Denkens (Open Mind), Die Öffnung des Fühlens (Open Heart) und die Öffnung des Willens (Open Will)“ vor. Im Kern der Theorie steht die Annahme, dass jeder Mensch Zwei ist. Einerseits die Person, die sich als Produkt ihrer Vergangenheit und Gegenwart darstellt. Andererseits, die sich aus der Projektion in die Zukunft ergeben könnte, eine Option, die ihren Weg in die Realität erst finden muss. Als Kernpunkt des Presencing wird der Dialog der beiden inneren Selbste bezeichnet – aus dem schöpferische Kraft entsteht.

Wenn wir es also schaffen, im Rahmen der Ideensuche und hoffentlich auch -findung in einen inneren Dialog zwischen unserem gewachsenen Ich und unserem zukünftig gefühlten Ich zu treten, steigen unsere Wahrscheinlichkeiten, Botschaften und Ideen zu kreieren, die auch andere Menschen nicht nur am Rande betreffen, sondern sie zu einer Art des Zuhörens und der inneren Berührung führen, die ihr Selbst durch die Begegnung mit ihrem zukünftigen Sein verändern.

Dadurch entsteht ein neuer Nutzen.
Dadurch wächst ein neuer Bezug.
Dadurch gedeihen Geschichten.
Und dadurch leben Gefühle. Auf und weiter!

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