27. Sep, 2018 | Zur Übersicht

Das Geheimnis der Serendipität.

Heureka und den glücklichen Zufall hatten wir schon. Wenn wir ihn doch strategisch nutzen könnten, dann ginge vermutlich alles vielleichter. Doch was steckt im Detail dahinter? „Der Begriff Serendipität, gelegentlich auch Serendipity-Prinzip oder Serendipitätsprinzip, bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist“ (Wikipedia).

Ganz in der Nähe der hochtrabenden Serendipität docken wir also mit unserem „glücklichen Zufall“ an. Genauso wie mit dem „Bauchgefühl“, der „Inspiration“ oder dem asiatischen „Chi“ bzw. “Tao“. Im Unterschied zu diesen Begriffen geht die Serendipität noch einen Schritt weiter, indem sie zusätzliche Kreativität und folgerichtiges Agieren unterstellt, durchaus auch in intelligenter Form. In dieser Kombination aus Zufall, Kreativität und daraus schlüssigem Handeln ergibt sich ein interessantes Spannungsfeld, das Paul Feyerabend erkenntnistheoretisch bereits mit seiner „Wissenschaft als Kunst“ streift.

Auch Erfolg an sich und im Besonderen in der Markenbildung und -führung ist bis dato nicht planbar. Wäre das anders, wäre die Welt das reinste Wirtschaftsparadies, es gäbe weder Konkurse noch Misserfolg, sondern eine permanente Spirale nach oben. Fehlt hier womöglich ein Prinzip, das weiter geht als herkömmliche Modelle und Theorien? Oder ist Erfolg durchaus als ungewollter, jedoch sehnlichst herbei gewünschter Nebeneffekt zu verstehen? Wenn ja, wovon – und kann er eventuell durch Umschreiben des Drehbuches auch die Hauptrolle übernehmen? Könnte man hier womöglich mit einem vertrauensvollen „Ohr am Puls der Zeit“, einem neuen Entdecker-Prinzip, das weniger absichtlich als grundsätzlich sinnorientiert agiert, bessere Ergebnisse erzielen? 

Wobei auch das Erfolgsprinzip im Sinne einer monetären oder sonstigen strikt evaluierbaren Ergebnisorientierung unbedingt in Frage zu stellen sein wird. Denn wie bereits viele geschichtliche Errungenschaften zeigen, wurden bahnbrechende Entdeckungen meist zufällig oder als ursächliches „Nebenprodukt der Hauptabsicht“ gemacht. Solche Entdeckungen sind mannigfaltig geschichtlich dokumentiert und reichen vom bereits erwähnten archimedischen „Heureka“, welches den Grundsatz der Verdrängung beim Baden beschreibt über Sir Isaac Newton, dem nachgesagt wird, dass ihm ein herabfallender Apfel die Schwerkraft „erklärt“ hätte - bis zur Entdeckung Amerikas durch Christopher Columbus. Wissenschaftlich wird genau dieser Prozess der Symbiose aus Zufall, Interesse und Erkenntnisbemühen als Serendipität bezeichnet. Und behauptet gleichzeitig, dass diese Ergebnisse zielgerichtet nicht hätten entstehen können.

Der Begriff beschreibt Entdeckungen, die aus dem Zusammenspiel von Zufall, Forschungseifer und weiteren individuellen Konditionen resultieren und weder durch rein zufällige Ereignisse noch durch einen ausschließlich gezielten Forschungsaufwand entstehen hätten können. Interessant ist, dass es sich hier immer um Nachbetrachtungen handelt und eine Zukunftsorientierung bis dato strikt ausgeschlossen wird.
Die Frage, die sich nun stellt, lautet:

  • Wie könnte man das Prinzip der Serendipität in der Markenführung einsetzen? 
  • Wie kann der Widerspruch der Zielorientierung und der zufälligen Erkenntnis zu wünschenswerten Ergebnissen führen?

Wie kann die individuelle Kreativität, ein schöpferisch künstlerischer Prozess dazu beitragen, letztendlich die Brücke von der Wissenschaft zur Kunst zur Wirtschaftlichkeit und zum Thema Erfolg schlagen?
 

Serendipität. Der Wortstamm.

„Erstmals hatte der britische Autor Horace Walpole, 4. Earl of Orford (1717–1797), den Ausdruck Serendipität“ in einem Brief verwendet. Er erläutert darin, er habe ihn in Anlehnung an ein persisches Märchen mit dem englischen Titel The Three Princes of Serendip geprägt, in dem die drei Prinzen viele dieser unerwarteten Entdeckungen machen. Serendip bzw. سرنديب / Sarandīb ist eine alte, von arabischen Händlern geprägte Bezeichnung für Ceylon, das heutige Sri Lanka, und hat ihre Wurzeln im alten Sanskrit-Namen der Insel, Simhaladvip.  Die eltweite Verbreitung, die der Begriff vor allem in wissenschaftlichen Kreisen erhielt, geht allerdings auf den amerikanischen Soziologen Robert K. Merton (1910–2003) zurück. Er findet sich erstmals 1945 in seinem Werk The Travels and Adventures of Serendipity.“

Ich versuche, an dieser Stelle auch noch eine andere Erklärung anzubieten: „serendo“ lateinisch, stammt von serere, serō ab, wobei serendo das Gerundium (Dat.) darstellt und soviel bedeutet wie zusammenfügend, aneinanderreihend, aber auch pflanzend, zeugend.

Die Idee.

Nach „Das integrale Momentum als Urknall der Marke“ als grenzüberschreitendes Markenmodell, das Anleihe in einer Metapher des physikalischen Urknalls nimmt, möchte ich noch einen Schritt weiter gehen.
Das integrale Momentum bietet einen ganzheitlichen Rundumblick über unterschiedlichste Wissensgebiete von der Trendforschung bis zur Mystik, der Tiefenpsychologie bis zur Empirie und der Hirnforschung bis zum herkömmlichen Marketing.

Doch wie geht es weiter nach dem Urknall? Wie passiert Erfolg? Wie ist er messbar? Wie sehen die weiteren Maßnahmen aus? Prozessorientiert? Marktorientiert? Überhaupt orientiert? Was ist Orientierung überhaupt? Haben wir eine? Brauchen wir eine?

Und die Hauptfrage lautet:

  • Wie kann die Serendipität als unplanbares Planungsmodell in der Markenführung eingesetzt werden?
  • Wohin führt in dieser Frage das Prinzip der Serendipität?
  • Was haben Serendipität und Orientierung gemein?
  • Kann die Serendipität als Zirkelschluss Orientierung bieten?

Oder ist „serendo“ als Serendipitätsprinzip im Sinne der Wortbedeutung von „zeugend, säend“ ohnehin nur ein Einzelfall? Bietet der Prozess der Serendipität Potenzial, das sich im Sinne eines Weges versteht, der jedes Nebenprodukt akzeptiert und zum professionellen Geschichtenschreiber wird, der den Rollentausch von Neben- und Hauptakteuren zum Ziel hat?
Viele Fragen. Eine Antwort. Der Weg ist das Ziel (Konfuzius).

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