06. Dez, 2017 | Zur Übersicht

Brainstorm oder Sturm im Wasserglas.

Was tun, wenn jedoch die Idee fehlt, die Inspiration, noch dazu die zündende? Ein probates Mittel, auf das immer wieder und gerne zurückgegriffen wird – oft auch als Allheilmittel - ist das allseits beliebte und bekannte „Brainstorming“. Sozusagen der Ansturm auf alle verfügbaren und greifbaren Gehirne. Ähnlich dem Sturm auf die Bastille mit den der französischen Revolution entliehenen Werten Liberté, égalité, fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) darf hier jeder alles: frei, gleich und brüderlich. Jeder sagt, was er denkt, dann wird alles gemixt, tranchiert und faschiert – und was schließlich herauskommt, hat nicht nur den Vorteil, in Sachen Teambuilding eine römische Eins zu erhalten, sondern wird von allen vertreten, mitgetragen und unterstützt. Einziger Nachteil: Das Ergebnis ist meist zum reinen Selbstzweck verkommen.

Das Ganze Vorgehen erinnert mich ein bisschen an meine Großmutter. Egal, ob Kopfweh, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Hautausschlag – sie verordnete grundsätzlich heiße Milch mit Honig und einem Schuss Selbstgebrautem. Zugegeben, es hat zwar selten genutzt, aber auch genauso wenig geschadet. Ein wenig besser gefühlt hat man sich trotzdem – ob der liebevollen Fürsorge und dem lächelnden Augenzwinkern. Und dieses Besserfühlen schafft auch das Brainstormen. Alle haben das Gefühl, etwas Gemeinsames geschaffen zu haben, verfallen in Ehrfurcht vor dem Großen, dem fast heiligen Werk und meinen, die Quantität der verarbeiteten Geistesblitze wäre das Cutting-Edge-Kriterium schlechthin für die Qualität des Gesamtkunstwerkes.

Doch meist bleibt es dann bei „der Weg ist das Ziel“, und vom Ankommen ist keine Rede mehr, der Gipfel der Uniqueness ward in unerreichbare Ferne gerückt. Denn genauso wie ein Sturm im Wasserglas keine Flutwelle der Zustimmung und Überzeugung hervorrufen kann, schafft das Wühlen in fremden Gehirnen keine Begeisterungsstürme. Sondern wie das bei Stürmen so üblich ist, sitzt die Ruhe davor im Auge desselben.

Das Zentrum des Hurricanes ist ein seltsamer Ort. Einsam, still, wissend. Und jeder Hurricane braucht ein skurriles, unwahrscheinliches Zusammentreffen von Parametern, um überhaupt entstehen zu können:

  1. Das Meer muss eine Oberflächentemperatur von mindestens 26,5 °C und die Luft eine gleichmäßige Temperaturabnahme zu großen Höhen aufweisen.
  2. Das betroffene Gebiet gleichmäßiger Bedingungen muss ausgedehnt sein, damit sich der bewegende Wirbelsturm über längere Zeit durch die Wasserdampfbildung aufbauen und genug Energie sammeln kann.
  3. Nur in ausreichender Entfernung vom Äquator ist die Corioliskraft ausgeprägt genug, um den zuströmenden Luftmassen die typische Drehung zu geben.
  4. Zur Entstehung eines Hurrikans muss der Höhenwind mit ähnlicher Stärke und aus der gleichen Richtung wehen wie der Bodenwind.

Ideenfindung funktioniert ähnlich. Man weiß nicht genau, wie diese Einfälle, Erleuchtungen, Gedankenblitze oder wie auch immer wir sie nennen mögen, entstehen, woher sie kommen, und doch regieren sie seit jeher die Welt. Und doch gibt es eine Fülle an Parametern, die den ganz persönlichen Gipfelsturm enorm begünstigen: Dabei gilt das Prinzip: Nur wer sich oft und intensiv mit Reizen füttert, kann im Gegenzug etwas Spannendes kreieren.

Daher gilt: Lesen, schauen, informieren, recherchieren, beobachten, neugierig sein. Und dann die Gedanken eine Weile loslassen. Der einsame „Thinkstorm“ tobt, kreiselt und wirbelt – und im Zentrum steht die Zeit still. Dort wo Ideen geboren werden, hält auch die Welt manchmal einen Augenblick inne.

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